Die EAG, ein virtuelles Netzwerk
Dr.-Ing. Reinhard HONERT, VBI Brussels

Was spricht eigentlich im VBI gegen einen Auslandsauschuss wie im VUBIC? 
Was spricht im VBI gegen eine Fachgruppe Ausland, so wie es viele andere FG gibt?

Wie oft ist es Ihn passiert, dass Sie sich nach einem Treffen gefragt haben: „Und wozu habe ich die Zeit verbraucht, wozu bin ich 1000 km geflogen?“  Mir geht es mit vielen meiner Treffen so.  Ich glaube, das Ergebnis wäre schneller und weniger aufwendig erreichbar, wenn wir dem Zeitgeist folgend mehr Telefon, mehr Email, mehr Internet, mehr Telekonferenz nutzen würde. 

Das Büro Brüssel versucht folgendes Konzept und bittet um Diskussion und (wenn als gut empfunden) Nachahmung:  die „EAG“ oder „VAG“ das heißt die „Elektronische Auslands-Gruppe“.  Es ist ein virtuelles Netzwerk von Auslandsinteressierten.  Das Konzept ist sicherlich kostengünstiger als ein Auslandsausschuss oder eine Fachgruppe.  Es ist auch effektiver als beide, zumindest wenn man sich auf den Kosteneinsatz bezieht.  Die Behauptung steht im Raum und muss bewiesen werden: eine virtuelle Gruppe ist effektiver, auch wenn man den absoluten Erfolg misst.  Dazu bitte ich um Beiträge, Kommentare, schlicht um Ihre Hilfe. 

 

Um nicht mit „Chat“-Räumen verwechselt zu werden, braucht die Gruppe (1) eine Eintrittshürde, (2) eine Teilnahmebelohnung, (3) Betriebsregeln, (4) Moderation, (5) Instrumentenwahl, (6) einen praxisnahen Themenkatalog und (7) ab und an nicht virtuelle sondern reale Treffen. 

 

 

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Fig. Virtuelle Treffen im Cyber Space wiegen nicht die realen Treffen auf

 

Eintrittshürden

sind wichtig um eine Nutzung als Chat-Room zu vereiteln.  Außerdem sollte das Bewusstsein der Teilnehmer gestärkt werden zu einer nicht exclusiven, aber doch einer ausgewählten Gruppe zu gehören.  Als Minimum wird es hier eine Registrierung geben mit allen wichtigen Daten zur Person und Organisation und einem Fragebogen.  Man kann überlegen, ob der Zusammenhalt durch eine Schutzgebühr verstärkt wird, die später gemeinschaftlich abgefeiert werden kann.  In keinem Fall wird diese Gruppe dann Resourcen des VBIs auf sich binden, wie das z.B. bei Fachgruppen der Fall ist. 

Teilnahmebelohnung

heißt ein virtuelles Treffen muss sich lohnen, sonst triff man sich lieber bei einem realen Bier.  Die Teilnehmer können nicht bezahlt werden.  Man kann auch nicht Informationen bis dahin zurückhalten.  Die Dynamik des Austausches muss mehr bringen.  Wenn jeder Teilnehmer nur 10% von seinem Wissen einbringt, ergeben die vielen Teilnehmer doch eine kritische Masse an neuen Informationen für jeden, so dass sich der virtuelle Treff lohnt.  Sobald es sich durchsetzt, dass es sich nicht um Wettbewerb gegeneinander handelt sondern um ein „empowering“ und eine „Win-Win“ Situation, werden die Mitnahme und Gewinneffekte für jeden größer werden. 

Betriebsregeln

sollten so wenig wie möglich, so viele wie nötig etabliert werden: es gelten die gleichen wie für jedes „Businessmeeting“ Wenn eine Zeit gesetzt wurde, pünktlich zu sein; wenn eine Sprache gewählt wurde, ausgrenzenden „Smalltalk“ in anderen Sprachen zu verbannen; wenn Online Diskussionen geführt werden, dem Moderator / Gesprächsleiter zu folgen und andere ausreden zu lassen.  Ansonsten wird die Gruppendynamik und das gemeinsame Ziel allen helfen effizient und freundliche miteinander zu kommunizieren und Ergebnisse festzuhalten und in geeigneter Form weiterzugeben. 

Moderatoren oder Gesprächsleiter

führen die Gruppe zum Erfolg.  Sie konzertieren, moderieren, konzentrieren, kristallisieren, filtrieren und präsentieren das Ergebnis für die Gruppe und transportieren es nach Außen.  Ihr größter Erfolg ist: (1) mehr Umsatz in der Gruppe oder (2) ein Thema zum Umsetzen in Lobbying in Brüssel.  Sicherlich kommen auch andere Anregungen heraus, aber nur, wenn der Moderator den Job beherrscht (Wahl der richtigen Instrumente und motivierende Kommentare), den Job sehr, sehr ernst nimmt (den Themenkatalog klein, übersichtlich und konzentriert hält) und volle Energie da hinein steckt (auch bei realen Treffs voll engagiert dabei ist). 

Ein Moderator muss jedes Thema fein säuberlich und detailliert planen und mit anderen absprechen.  „Expectation Management“ ist eine seiner wichtigsten Disziplinen.  Diese  Erwartungen müssen virtuell verfasst, motiviert, entwickelt, getroffen / übertroffen und zusammengefasst werden.  Zum Beispiel muss sich der Moderator der Journalistenrunde am Sonntagmittag gründlich für seine Runde vorbereiten!  Es sieht seine Gegenüber und empfängt viele Signale von Interesse bis Ablehnung.  Entsprechend wird er reagieren.  Ein Moderator im virtuellen Raum sieht sein Gegenüber nicht.  In Diskussionsforen hat er Zeit und kann abwägen.  Bei einer Telekonferenz geht das nicht mehr. 

Wahl des Instrumentes

Email, Diskussionsforen, Webtelefonie, Telekonferencing mit und ohne Bild, sind Entscheidungen die nach etwas Üben automatisch geschärft werden. 

Instrument 1 ...

Instrument 2 ...

 

Man wird kaum eine Brainstorming Sitzung über Email laufen lassen, da man den direkten Funken von einem Hirn ins andere überspringen sehen möchte.  Man wird auch kaum über das Webtelefon einer Rede zuhören wollen, die man am Abend in Ruhe lesen könnte.  Man wird auch größere Umfragen nicht online tätigen wollen; denn dazu gibt es Diskussionsforen, die über Zeit eine Vielzahl von Ideen sammeln und, so sie gut moderiert sind, auch Lerneffekte mit gutem Gesamtergebnis für alle Forenteilnehmer erzielen. 

 

 

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Email

 

 

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Webtelefonie

Diskussionsforen

 

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Teleconferencing

 

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In wenigen Jahren sind Instrumente wie Diskussionsforen, Webtelefon, Telekonferenzen wie Telefon, Fax & Email

 

Fig. 2 Entwicklung und Zusammenarbeiten in virtuellen Welten

 

Praxisnahe Themen

setzte ich bewusst an den Schluss des Artikels; denn danach folgt die Umsetzung, vielleicht auch durch Sie, werten Leser, wenn Sie sich spontan oder nach reiflicher Überlegung dazu entschließen mitzumachen.  Die Bereiche für den Großversuch in Brüssel sind nicht ausschließlich zu benennen; denn die Liste ist dynamisch und hängt vom Erfolg und der weiteren Verfolgung einzelner Themen ab.  Aber wir starten mit Themen wie:

1.      Direkte Akquisitionen in verschiedenen Länder und Regionen, für die Sie sich interessieren und für die Sie Kontakte, Ratschläge, Empfehlungen, Termine für Konferenzen, Partnerschaften usw. suchen oder aufbauen möchten.  Spontan fallen mir 5 Länder ein:

Irak                  Wiederaufbauhilfe, Beteiligung an Infrastrukturplanungen unter polnischer, britischer oder amerikanischer Führung?  Die Wirtschaftbeziehungen Irak-Deutschland sind gut seit Kaiser Wilhelm: 1903 finanzierte die Deutschen Bank die Istambul-Bagdad-Bahn.  Mittelfristig und langfristig warten viele Aufträge. 

Afghanistan     Wiederaufbauhilfe, Bewerbungen bei UN, Weltbank, KfW oder anderen Finanzgebern?  Wie geht man vor?  Wen spricht man an?  Die Schäden sind noch lange nicht behoben und dann fängt der Aufbau erst an.  Die Auftragsfinanzierung ist der Knackpunkt. 

Türkei              für die Konferenz in Brüssel gibt es eine Nachfolgekonferenz in Ankara.  Die Türkei wird zwar keine ISPA Gelder bekommen, aber es wird trotzdem zu einer erheblichen Vorbeitrittshilfe kommen, wie es auch der Fall in Rumänien und Bulgarien ist.  Aufträge sind langfristig gut. 

Ägypten           Auch in Kairo ist eine Folgekonferenz (VBI-Nachrichten 4/2003 S.19) geplant.  Es stehen für den Ägyptischen Staat zur Modernisierung der Industrie 500 Mio. € zur Verfügung.  Schon in 2 Anlüfen ist die Vergabe größerer Aufträge aus dieser Summe fehl geschlagen.  Kurz und mittelfristig sehr gute Auftragschancen. 

Polen              Speziell das Network-EAST kümmert sich um Polen und andere potentielle Auftraggeber.  Vor dem Ende der ISPA Aufträge wird es wahrscheinlich zu einem Stau von Geldern kommen, weil nicht genug gute Projekte identifiziert und vorentwickelt worden sind.  Nach der Überwindung dieser Probleme stehen dann ungleich mehr Regionalgelder und Kohesionsfonds zur Verfügung.  Die Auftragslage ist hervorragend für solche Unternehmen, die sich schon jetzt „polnisch“ investiert haben.

2.      Für Energiesparen gibt es in Europa ein Weißbuch (die erste grundlegenden Zusammenhänge und Ziele, die später einem Gesetzeswerk führen können).  In Deutschland gibt es mehr Erfahrungen als in jedem anderen Mitgliedsstaat.  Hier sollten Ingenieure, besonders beratende Ingenieure die Nase vorne haben.  Zu dem Thema werden viele Veranstaltungen in Brüssel angeboten.  Diese Veranstaltungen bieten ungezwungene Kontaktaufnahmen und vertrauenschaffendes Sich-Kennen-Lernen.  Danach kann man den Kontakt ausbauen und beraten.  En solider Auftrag wird erst viel später folgen.  WKK

3.      Für Transportnetze (VBI-Nachrichten 4/2003 S.19) benötigt die Kommission Assistenz und technische Hilfe.  Dazu muss man Brüssel besuchen; mehrmals und öfter; wer nicht da ist zählt nicht.  Zunächst handelt es sich um vertrauensbildende Maßnahmen, dann kommt die Phase der Konsultationen und dann die der richtigen Arbeit.  Aufträge winken hier nur langfristig, aber mittelfristig weiß man mehr und wählt eine bessere Strategie. 

4.      Institutional Capacity Building BOT Pricing

5.      monitoring von WB OECD EIB EU KFW

6.      Honorarordnungen, wie die HOAI, gibt es verbindlich nur bei den deutschen Architekten und Ingenieuren.  Ihre Stellungnahmen, Ihre Kommentare und Ratschläge sind gefragt.  Zum jetzigen Zeitpunkt sind sehr kreative Einfälle von Nöten, um noch einen bleibenden Eindruck auf Europäischer Ebene zu erwirken.  Aber nicht nur die Informationen in Richtung Europa sind wichtig, auch die Informationen die zurück fließen.  Sie helfen zu verstehen, was in anderen Mitgliedsstaaten für Argumente gebraucht werden.  Sie helfen Einsichten in den gemeinsamen Binnenmarkt zu gewinnen und schlüssige Argument zu formulieren.  Aufträge winken bei diesem Thema wohl kaum, aber es hilft ein unterstützendes Arbeitsklima zu schaffen. 

7.      Berufsanerkennungsfragen, die bei einer Niederlassung in anderen Mitgliedsstaaten wichtig werden können, sind auch ein Thema, das in Diskussionsforen erörtert werden könnte und müsste.  Dieses Thema ist grundlegend wichtig.  Es berührt die Freiberuflichkeit im deutschsprachigen Raum und damit auch die Formung eines gemeinsamen Binnenmarktes.  Auch hier sind keine Aufträge zu erwarten, es geht sozusagen um ein Prinzip, wie bestimmte Berufsgruppen sich definieren. 

Nicht virtuelle sondern reale Treffen

sind eine willkommene Abwechselung und nicht wie üblich, überfrachtet durch Agenden, die erfüllt werden müssen.  Sie könnten wie die Kanzlereinladung zur „Spargelfahrt auf dem Wannsee“ sein.  Unbeschwert und doch bringt man Kontakte mit nach Hause, die man elektronisch schon hatte und weiter virtuell vertieft.